Hangers for clever people

Eine typisch deutsche Industriegeschichte

Die Chronik des 1948 gegründeten Unternehmens ist charakteristisch für die deutsche Industriegeschichte, vom ersten Patent, über die Einführung von Automatisierungsprozessen, die Internationalisierung und die Chancen in einem intensiven Wettbewerbsumfeld.

Währungsreform, Erfindungsgeist und Unternehmertum: das waren die Ingredenzien des deutschen Wirtschaftswunders. Die Währungsreform von Ludwig Erhard hat 1948 der Wirtschaft nach einer Ära der Tauschgeschäfte und des Schwarzmarkts eine solide finanzielle Geschäftsgrundlage geboten. Zahlreiche Geschäftsleute haben die Chance ergriffen und ein eigenes Unternehmen gegründet – auch Martin Wagner. Der Firmenname steht für seine Initialen.

Grundstein für den Erfolg: das erste Patent

Zunächst hat Martin Wagner auf Bedarf Metallprodukte entwickelt, produziert und verkauft, wie z.B. Küchenreiben. 1955 hat der Ingenieur den ersten Hosenspanner erfunden, den er sich gleich patentieren ließ. Ein Meisterstück an Funktionalität. Damals war das Waschen und Bügeln für die Hausfrau noch erheblich auf­wändiger. Die Stoffe waren empfindlicher. Mit dem Hosenspanner konnten Hausfrauen und die Mitarbeiter der Modegschäfte die Hosen einfach und faltenfrei aufhängen. Seine Erfindung hat Martin Wagner zum Rockspanner weiterentwickelt. Für die Röcke patentierte er eine eigene Klammer.

Schnell erwiesen sich beide Bügel als Bestseller. Modeunternehmen waren glücklich, dass sie ihre Ware ansprechend und einfach präsentieren konnten. In weiteren Kundengesprächen hat der Ingenieur dann erfahren, dass die Modeindustrie noch große Schwierigkeiten hatte, Oberteile adäquat zu präsentieren. Schmal sollten die Bügel sein, platzsparend und rutschfest. Martin Wagner hat die Herausforderung angenommen und die Anforderungen mit seiner Ingenieurserfahrung gelöst. Er entwickelte den Metallbügel mit Anti­rutsch­beschichtung, den er 1960 auf den Markt gebracht hat.

Vom Handwerk zur Automatisierung

Ende der 60er Jahre beschäftigte die MAWA GmbH 200  Mitarbeiter, die bis zu 120.000 Metallbügel täglich herstellten – manuell. In den 70er Jahren begannen die ersten Schritte in Richtung Teilautomation, die in den 80er Jahren dazu führte, dass die MAWA GmbH eigene Werkzeugmaschinen baute. Auslöser waren steigende Lohn­kosten in Deutschland und die steigende Nachfrage nach Metallbügeln – auch im Aus­land.

1985 gelang der MAWA GmbH die erste vollautomatische Kleiderbügelproduktion. Ent–scheidend für den Erfolg der Automatisierung war die enge Zusammenarbeit aller Abteilungen, von Designern, Produzenten, Ingenieuren und Verkäufern, sowie das tiefe Verständnis für alle Produktionsschritte, von der Zulieferung der Rohstoffe, zur Verarbeitung bis zum Versand. Detailliert und intensiv haben die Mitarbeiter die einzelnen Produk­tionsschritte diskutiert, um die Haltbarkeit der Produkte zu verbessern, Variantenvielfalt anzubieten, die Produktionsressourcen besser auszuschöpfen und Qualitätsstandards zu entwickeln.

Deutschland – Europa – Asien

Die MAWA GmbH baute die europäischen Märkte kontinuierlich aus. Auch in Asien baute die MAWA ihr Geschäft immer weiter aus. Mit dem Fall der Mauer hat die MAWA GmbH weitere neue Märkte in Osteuropa erschlossen. Das Unternehmen ist stetig gewachsen und bietet mit über 500 Produkten eine beeindruckende Angebotspalette von Metall-, Holz- und Kunststoffbügeln. In vielen Branchen fungiert das Unternehmen als Vollsortimenter für Kleiderbügel. 

Mitte der 90er Jahre kamen die ersten Plagiate auf den Markt. Bis Ende der 90er Jahre entbrannte ein teilweise ruinöser Preiskampf – Qualität kontra Billigprodukte. Die MAWA GmbH kämpft bis heute gegen diese billigen und schlechten Nachahmerprodukte und ist daher ein überzeugtes Mitglied des Plagiarius.

Ein weiterer kritischer Punkt in dieser Phase war die ungeklärte Nachfolgeregelung – ein häufiges Problem bei mittelständischen deutschen Betrieben. Schließlich hat Ida Wagner 2001 mit 87 Jahren die MAWA GmbH an die damaligen Gechäftsführer verkauft. Diese späte Entscheidung und der Kampf gegen die Billigprodukte brachten das Unternehmen in eine zunehmend schwierige Lage. 2005 wurde Insolvenz angemeldet. Ein bitterer Schlag für die langjährigen Mitarbeiter, die nicht aufgeben wollten. Der Insolvenzverwalter erkannte das Potenzial der MAWA GmbH und hat das Unternehmen weitergeführt. 2007 hat die Unternehmerin Michaela Schenk die MAWA GmbH übernommen.

Neustart im neuen Jahrtausend

Michaela Schenk hat sich vor der Übernahme intensiv mit der MAWA GmbH beschäftigt und sofort die Stärken und Schwächen des Unternehmens erfasst. Die Produkte waren gut und nachgefragt. Die Lage der Produktionsstätte ist perfekt. Pfaffenhofen an der Ilm liegt in Oberbayern, im Dreieck München, Ingolstadt und Augsburg. Damit ist die MAWA GmbH an wichtige Autobahnen und den Schienenverkehr gut angeschlossen. Der Münch­ner Flughafen ist ca. 40 km entfernt. Die deutschen Lieferanten bringen ihre Rohstoffe direkt an die Lade­rampe.

Damit das traditionsreiche Unternehmen erfolgreich auf die Anforderungen der globalen Wirtschaftswelt reagieren kann, hat die Geschäftsführung den Betrieb dem Zertifizie­rungs­prozess nach ISO 9001 QS unterzogen. Schwerpunkte dieses Zertifizierungsprozesses sind neben der Einführung von klassischen Qualitätsmanagementsystemen die Kundenzufriedenheit und die Verantwortlichkeit der Führungskräfte.

Umwelt- und Verbraucherschutz im Fokus

Eine erste Maßnahme dieses Prozesses war die Erneuerung der Galvanik. In Zusammen­arbeit mit dem Umwelt- und Wasseramt hat die MAWA GmbH 2008 die gesamte Galvanotechnik neu konzipiert und aufgebaut. Komplizierte Steuerungsmechanismen erlauben jetzt einen schnellen und reibung­s­losen Ablauf bei der Vernickelung bzw. Verchromung der Bügel. Aber nicht nur das. Mit der neuen Anlage hat die MAWA GmbH den Wasserverbrauch um 75 Prozent reduziert. Die giftigen Abfallstoffe werden in Pellets verarbeitet und recycelt. Mittelfristig spart die MAWA GmbH Energiekosten, so dass sich die hohe Investion doppelt lohnt: Schnelle Produktionsprozesse und ein wesentlicher Beitrag zum Umwelt­schutz.

Diese Umwelt- und Verbraucherschutzmaßnahmen hören aber bei der Galvanik nicht auf. Die Holzbügel der MAWA GmbH tragen alle das renommierte FSC-Siegel, das heißt, das Holz der Bügel stammt aus ökologisch einwandfrei bewirtschafteten Flächen.

Permanent forscht das Unternehmen außerdem mit Partnern und Lieferanten daran, wie die Anzahl der Chemikalien und der Einsatz von gefährlichen Weichmachern reduziert werden kann.

Zum Umwelt- und Verbraucherschutz gehört nicht nur die Vermeidung giftiger Rohstoffe in der Produktion, sondern der Einsatz recycelter Grundstoffe und erneuerbaren Energien im Produktionsprozess.

Nicht zuletzt diese ehrgeizigen Anstrengungen für mehr Umwelt- und Verbraucherschutz haben der MAWA GmbH mehrere Nominierungen für den deutschen Mittelstandspreis eingebracht.

Diese Maßnahmen, aber auch die spezifisch deutsche, qualitätsorientierte Unterneh­mens­kultur sichern den Erfolg eines traditionsreichen Industrieunternehmens in einer komplexen globalisierten Welt.